Jahresberichtartikel des Schulpsychologischen Dienstes - Schuljahr 1998/99

Der schulpsychologische Dienst am Willibald-Gluck-Gymnasium ist nun seit einem Jahr wieder besetzt, und der Jahresbericht stellt eine gute Möglichkeit dar, Bilanz zu ziehen und diese Bilanz auch Eltern und Schülern zugänglich zu machen.

Dass die Schulpsychologenstelle zwei Jahre nicht besetzt war, scheint auf die Inanspruchnahme des Beratungsangebots keine Auswirkung gehabt zu haben. Die ersten sechs Schuljahreswochen verliefen recht ruhig, was günstig war, da ich mich so zunächst einarbeiten und Kontakt zu vielen anderen psychologischen und sozialen Einrichtungen im Landkreis Neumarkt herstellen konnte. Zudem habe ich mich in dieser Zeit auch den Kollegien der drei von mir zu betreuenden Gymnasien (neben dem WGG das Ostendorfer Gymnasium und das Gymnasium Parsberg) vorgestellt. Mit dem ersten Elternsprechnachmittag war es jedoch mit der Ruhe vorbei - und das hat bis zum Schuljahresende angehalten.

Einer der Schwerpunkte in der Beratungstätigkeit war die Beratung von Eltern und Schülern der fünften Klasse. Der Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium stellt für Schüler eine große Veränderung dar. Fünftklässler stehen durch den Schulwechsel erhöhten Anforderungen gegenüber, viele von ihnen bekommen das erste Mal in ihrer Schullaufbahn schlechte Noten, und fast jede Stunde wechselt der Lehrer. Dass diese Bedingungen dazu führen, dass es in der Schule bei einigen Schülern Probleme gibt, liegt auf der Hand. In die Beratung kamen Eltern mit ihren Kindern aus der fünften Klasse vor allem, weil sie sich nicht (mehr) sicher waren, ob ihr Kind am Gymnasium gut aufgehoben und den Leistungsanforderungen gewachsen ist. Durch schlechte Noten kam es dabei häufig zu Prüfungsängsten, die auf die Leistungen wiederum einen negativen Einfluss hatten. Ziel der Beratung war es, diesen Teufelskreis von schlechten Leistungen und Prüfungsangst zu durchbrechen. Bei einigen Beratungsfällen ging es auch darum zu entscheiden, ob ein Wechsel der Schulart sinnvoll wäre.

Ein weiterer wichtiger Bereich, vor allem bei Schülern bis zum Ende der Mittelstufe, war die fehlende Schulmotivation. Viele Eltern kamen mit Klagen, dass ihre Kinder keine Lust auf Schule hätten, ihre Hausaufgaben nicht erledigten und dem Unterricht nur unzureichend folgten. Die Beratung in diesem Bereich war und ist nicht immer einfach. Dies liegt meiner Ansicht nach u.a. daran, dass die Ursachen für fehlende Schulmotivation sehr vielfältig sind. Vom Schulpsychologen hier Wunder zu erwarten, scheint mir nicht realistisch, hier können oft nur Veränderungen in kleineren Schritten bewirkt werden.

Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass sich - insbesondere mit zunehmender Schuljahresdauer - auch Schüler von sich aus wegen Problemen an mich gewendet haben. Meist waren dies Schüler der Oberstufe. Hier standen nicht allein schulische Schwierigkeiten im Vordergrund, sondern auch private Probleme, die sich wiederum häufig in schlechten Noten und anderen schulischen Problemen niederschlugen.

Nicht alle Kontakte zur Beratung gingen von Eltern oder Schülern aus. Vielfach waren es auch die Lehrerinnen und Lehrer der Schulen, die den Eltern den Rat gaben, doch einmal den schulpsychologischen Dienst zu konsultieren. Die Zusammenarbeit mit den Lehrer, darüber habe ich mich sehr gefreut, lief immer recht gut - und ich glaube, dass das auch so bleiben wird.

Nicht alle Tätigkeitsbereiche wurden in den vorangehenden Absätzen aufgeführt. Es fehlen u.a. die Bereiche von Hochbegabung, von Mobbing in der Schule, von unaufmerksamen Schülern oder der Supervisionsarbeit mit den Referendaren am WGG - aber Vollständigkeit zu erreichen, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen.

Ein mehrmals in diesem Schuljahr vorkommendes Problem möchte ich jedoch noch gesondert ansprechen, weil es wichtig ist, dass Betroffene hiergegen etwas unternehmen. Es kamen in diesem Jahr einige Schülerinnen (hiervon sind überwiegend Mädchen und Frauen betroffen) in die Beratung, weil sie an einer Essstörung (Magersucht oder Bulimie) leiden. Mit schulpsychologischer Beratung ist es hier meist nicht getan, vielmehr ist bei einer Essstörung oft eine umfangreiche Psychotherapie notwendig. Es macht jedoch durchaus auch hier Sinn, auf die schulpsychologische Beratung zurückzugreifen – zum einen, um die Schwere der Essstörung zunächst einmal abzuklären, zum anderen, um im Falle der Notwendigkeit einer Therapie mit dem Schulpsychologen gemeinsam nach einer geeigneten Therapiemöglichkeit zu suchen.

Was bleibt als Ausblick für das nächste Schuljahr? Das erste Jahr als neu-ernannter Schulpsychologe war für mich nicht immer einfach, mitunter auch anstrengend, hat mir aber sehr viel Spaß gemacht. Außerdem glaube ich, dass ich vielen Eltern und Schülern helfen konnte. Ich hatte mir am Anfang des Jahres vorgenommen, für Schüler auch Kurse (Lerntraining, ein Training sozialer Kompetenz etc.) anzubieten, durch die Problemen vorgebeugt werden sollte. Hierfür war dieses Schuljahr - leider - keine Zeit. Im nächsten Jahr, hoffe ich, wird sich das aber ändern, da mir wahrscheinlich mehr Stunden für die schulpsychologische Tätigkeit zur Verfügung gestellt werden.

Ich möchte Sie abschließend noch einmal dazu ermutigen, von dem Angebot schulpsychologischer Beratung Gebrauch zu machen, sofern sie bei schulischen Problemen Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Die Beratung ist kostenlos, freiwillig und als Schulpsychologe bin ich (auch den Lehrern gegenüber) zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Sollten Sie sich übrigens über diesen Bericht hinaus weiter über die schulpsychologische Arbeit informieren wollen, so steht Ihnen auch das Internet zur Verfügung. Unter der folgenden Internetadresse habe ich Ende letzten Jahres eine Homepage eingerichtet, die wichtige Informationen über den schulpsychologischen Dienst und seine Tätigkeit enthält:

http://www.schulpsychologie-nm.de

Die Internetseiten sollen in den nächsten Jahren inhaltlich erweitert werden. Ziel ist es, Ratsuchenden auch auf diesem Weg Hilfestellung bei schulischen und anderen Problemen zu geben.

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